Die Zukunft der hausärztlichen Versorgung in Deutschland – gute Ideen regional umsetzen

      Mit dem demographischen Wandel nimmt die Zahl von Patienten zu, die unter chronischen Erkrankungen und Multimorbidität leiden. Hausärzte sind im deutschen Gesundheitssystem für die langfristige Grundversorgung dieser Patientengruppe zuständig. Im internationalen Vergleich bescheinigen deutsche Patienten ihrem Hausarzt eine gute Zugänglichkeit (access) mit zeitnaher Terminvergabe und eine patientenorientierte Behandlung mit enger Arzt-Patientenbindung [
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      ]. Hausärzte bezahlen dafür jedoch einen hohen Preis: Die Zahl der Arzt-Patientenkontakte liegt in Deutschland bei einem Spitzenwert von 18 pro Jahr und Einwohner, davon finden 7 bei Hausärzten und 11 bei Fachärzten statt [
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      GEK-Report ambulant-ärztliche Versorgung 2008.
      ]. Deutsche Hausärzte behandeln pro Woche durchschnittlich 250 Patienten und haben dafür jeweils 9 Minuten Zeit. In anderen Industriestaaten haben Hausärzte maximal halb so viele Kontakte und dafür ungefähr doppelt so viel Zeit für ihre Patienten [
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      Das deutsche Gesundheitswesen im internationalen Vergleich - Die Perspektive der Hausärzte.
      ]. Es verwundert deshalb nicht, dass über 50% der niedergelassenen Ärzte in Deutschland mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Sie bemängeln die hohe Arbeitsbelastung, den steigenden Verwaltungsaufwand, zu wenig Freizeit und eine nicht leistungsgerechte Vergütung [
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